WISSEN FÜR DIE QUALITATIVE FORSCHUNG
Transkriptionsregeln für wissenschaftliche Interviews
Welche Transkriptionsregeln passen zu Ihrem Forschungsprojekt? Erfahren Sie, worin sich einfache und detaillierte Transkriptionen unterscheiden und welche Vorgaben Sie vorab festlegen sollten.

Warum sind Transkriptionsregeln wichtig?
Bei der Transkription wissenschaftlicher Interviews geht es nicht nur darum, gesprochene Sprache in Text umzuwandeln. Entscheidend ist auch, welche sprachlichen Merkmale für die spätere Auswertung erhalten bleiben sollen.
Je nach Forschungsfrage und Auswertungsmethode können unterschiedliche Transkriptionsregeln sinnvoll sein. Während bei einer einfachen Transkription vor allem der Wortlaut im Mittelpunkt steht, werden bei detaillierteren Verfahren beispielsweise Pausen, Wortabbrüche, Fülllaute oder nonverbale Äußerungen berücksichtigt.
Deshalb sollten die Transkriptionsregeln möglichst vor Beginn der Verschriftlichung festgelegt und innerhalb eines Forschungsprojekts einheitlich angewendet werden.
Welche Transkriptionsregeln sind für Ihr Projekt wichtig?
Welche sprachlichen Merkmale sind wichtig?
Je nach Forschungsfrage kann es ausreichen, den Wortlaut festzuhalten. Für detailliertere Analysen können auch Pausen, Fülllaute, Wortabbrüche, Betonungen und nonverbale Äußerungen relevant sein.
Wie werden sprachliche Besonderheiten dargestellt?
Dialekte, Umgangssprache, Sprecherwechsel und unverständliche Passagen erfordern klare Konventionen. Entscheidend ist, wie diese Besonderheiten im Transkript wiedergegeben und gekennzeichnet werden.
Welche Regeln passen zur Auswertung?
Die Forschungsfrage und die geplante Auswertungsmethode bestimmen, wie detailliert transkribiert werden sollte. Ein inhaltlich orientiertes Interview benötigt häufig andere Regeln als eine gesprächsanalytische Untersuchung.
Transkriptionsregeln im direkten Vergleich: ein Beispiel
01
Wörtliche Transkription
„Ich war damals ziemlich unsicher. Dann habe ich mich für das Studium entschieden.“
Der Wortlaut wird wiedergegeben. Zusätzliche Merkmale wie Pausen oder Fülllaute werden in diesem Beispiel nicht gekennzeichnet.
02
Leicht detaillierte Transkription
„Ähm, ich war damals ziemlich unsicher (2 Sek.). Dann habe ich mich für das Stu- Studium entschieden.“
Zusätzlich zum Wortlaut werden hier ein Fülllaut, eine Pause und ein Wortabbruch festgehalten.
03
Erweiterte Transkription
„Ähm, ich war damals ziemlich unsicher (2 Sek.) (seufzt). Dann habe ich mich für das Stu- Studium entschieden.“
Zusätzlich werden hier eine Betonung (kursiv) und eine nonverbale Äußerung (seufzt) gekennzeichnet.
Hinweis: Die Beispiele sind fiktiv und dienen der Veranschaulichung unterschiedlicher Detailgrade. Die verwendeten Zeichen sind keine verbindlichen Transkriptionsregeln. Je nach Forschungsprojekt und Transkriptionssystem können andere Konventionen gelten.
Checkliste: Welche Transkriptionsregeln sollten Sie vorab festlegen?

Vor Beginn der Transkription sollten Sie klären:
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Wortlaut: Wörtlich oder sprachlich geglättet?
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Sprecherwechsel: Wie werden die Personen gekennzeichnet?
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Pausen: Werden sie erfasst und ihre Längen angegeben?
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Sprachliche Merkmale: Fülllaute, Wortabbrüche und Wiederholungen?
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Nonverbale Äußerungen: Lachen, Seufzen oder Weinen?
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Besonderheiten: Dialekte und unverständliche Stellen?
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Formatierung: Zeitmarken, Zeilennummern und Dateiformat?
Wissenschaftliche Transkriptionssysteme im Überblick
In der qualitativen Forschung werden unterschiedliche Transkriptionssysteme verwendet. Sie unterscheiden sich insbesondere darin, wie detailliert gesprochene Sprache, Pausen, Betonungen und weitere Gesprächsmerkmale festgehalten werden.
Welches System geeignet ist, hängt von der Forschungsfrage, der Auswertungsmethode und den Vorgaben des jeweiligen Projekts ab.
Transkriptionsregeln nach Dresing & Pehl
Die Transkriptionsregeln nach Dresing & Pehl bieten einen praxisorientierten Ansatz für die Verschriftlichung qualitativer Interviews. Sie unterscheiden zwischen einfachen und erweiterten Regeln.
Bei der einfachen Transkription steht der Gesprächsinhalt im Vordergrund. Erweiterte Regeln ermöglichen es, zusätzliche sprachliche Merkmale wie Pausen, Betonungen und weitere Gesprächsbesonderheiten festzuhalten.
Welche Regeln angewendet werden, sollte vor Beginn der Transkription festgelegt und im gesamten Forschungsprojekt einheitlich umgesetzt werden.
Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem GAT 2
GAT 2 wird vor allem für detaillierte gesprächsanalytische Untersuchungen verwendet. Das System ermöglicht die genaue Darstellung von Pausen, Überlappungen, Betonungen und Sprechmelodie. Für rein inhaltsorientierte Interviewauswertungen ist dieser Detailgrad häufig nicht erforderlich.
Transkription für die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz
Bei der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz steht die systematische Auswertung von Interviewinhalten im Vordergrund. Dafür werden häufig gut lesbare, inhaltlich orientierte Transkripte verwendet.
Wichtig sind eine einheitliche Kennzeichnung der sprechenden Personen, nachvollziehbare Regeln für sprachliche Glättungen und ein konsistenter Umgang mit unverständlichen Passagen. Zusätzliche Merkmale wie ausführliche Pausen- oder Betonungsnotationen sind nicht bei jeder Untersuchung erforderlich.
Die konkreten Transkriptionsregeln sollten zur gewählten Auswertungsmethode und den Vorgaben des Forschungsprojekts passen.
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